Achterholt Udo

"Es gibt Maler, die die Sonne in einen gelben Fleck verwandeln. Es gibt aber andere, die dank ihrer Kunst und Intelligenz einen gelben Fleck in die Sonne verwandeln können." - Pablo Picasso

1952 geboren in Münster. Er lebt und arbeitet in Havixbeck, Haus Stapel bei Münster

1969 Buchdruckerausbildung

1976 Graphikdesignstudium an der Fachhochschule Münster bei Prof. Wolfgang Troschke

1981 Examen

Einrichtung einer eigenen Siebdruckwerkstatt.

Langjährige Lehraufträge für künstlerischen Siebdruck an der FH Münster. 

Seit 1981 freie künstlerische Tätigkeit.


Charakteristisch für ihn sind collageartige Malereien, deren Anziehungskraft auf ihrer gelungenen Verbindung abstrakter Farbkompositionen beruht. Durch warme, ausgeglichene Farbigkeit wird die Materialhaftigkeit der Bilder intensiviert, so dass harmonische Ganzheiten von eigentümlicher Intensität entstehen, die sich auch in seiner Druckgrafik wiederfinden.


Einzelausstellungen (Auszug):

1983 Galerie "S" , Münster (E)

1984 BFG-Kunstforum, Münster

1985 Kunstverein Emsdetten

1986 Galerie Reincke, Osnabrück (E)

1987 Kunstverein Oldenburg

1988 Galerie MS Leismann, Münster (E)

1989 Atelierhalle Werk Thyssen, Hamm

1990 

•    Galerie Depelmann, Langenhagen (E)

•    Ausstellung im Schloss Oranienburg

1991 Grosse Kunstausstellung Düsseldorf

1992 

•    Galerie Vogt, Herten (E)

•    Villa Weiner, Ochtrup

1993

•    Galerie Moderne, Bad Zwischenahn (E)

•    Galerie Depelmann, Langenhagen (E)

1994

•    Kunstkreis Versmold (E)

•    Galerie 4, Basel CH (E)

•    Deutsche Bank Zentrale, Frankfurt (E)

1995 Galerie Breitbach, Unna

1996 

•    Altstadt Galerie, Remscheid (E)

•    Galerie Meißner, Hamburg (E)

1997 Galerie Depelmann, Langenhagen (E)

1998 

•    Galerie Lefevere, Oostduinkerke, Belgien (E)

•    Galerie Trost, Lippstadt (E)

•    Galerie Kunstück , Oldenburg (E)

1999 

•    Galerie Edition Tertium, Stuttgart/Ostfildern (E)

•    Galerie Zwischenraum, Münster

2000

•    Kunstverein Paderborn (E)

•    Atrium Berliner Bank, Berlin

2001

•    Galerie im Kloster Malgarten (E)

•    Galerie im Schrotturm , Schweinfurt (E)

•    Galerie Depelmann, Langenhagen (E)

2002 Galerie Kunstück, Oldenburg (E)

2005

•    Galerie De Muelenaere, Brüssel, B (E)

•    Galerie Lefevere , Oostduinkerke, B (E)

•    Galerie im Kloster Malgarten

•    2006

•    Galerie Gouman, Amsterdam, NL (E)

•    Galerie Pohlkotter, Münster (E)

2008 St. Johannis Kirche, Herford, (E)

2009 Kulturzentrum des Kreis Coesfeld

2010 

•    Galerie Kunstück, Oldenburg

•    Kunstverein Ahlen, Jahresgaben 

2011

•    Art Karlsruhe, One man show Galerie Depelmann


Kunstmessen, Grafikbiennalen:

Art Multiple, Düsseldorf / Art Hamburg / Art Fair Stockholm / Art Innsbruck, Art Cologne / Art Frankfurt /  Line Art Gent / Kunstmesse Dresden, Kunst Köln, Kunstmesse Karlsruhe / Kunst Bodensee / Frederikstad Norwegen / Frechen Deutschland / Krakow Polen / Estampa Madrid Spanien


Über seine Kunst:

Aus der Perspektive des Menschen scheint das Fortschreiten der Zeit vor allem gleich bedeutend mit Verfall und Vergehen zu sein. Wir nehmen unsere Lebensspanne je einzeln als sehr begrenzt wahr, während wir die uns umgebende Natur als dauernd und als sich dauernd erneuernd auffassen: was hier abgetragen wird, setzt sich andernorts an - nichts geht verloren. Dieses Prinzip gilt für den Menschen als Gattung auch, aber eine nur uns eigene Struktur des Geistes bewirkt, dass die je persönliche Sicht auf die Welt die überindividuelle überlagert. Der Erosion seiner Physis hat der Mensch, seit er seiner selbst bewusst wurde, daher eine Art geistiger Sedimentation entgegengesetzt, das heißt: eine stetig anwachsende Sammlung von Erkenntnissen (und Missverständnissen) über sich selbst und die Welt, die nicht genetisch tradiert werden und dennoch das Individuum überdauern. Die Religion hat hier ihren Ursprung, aber ebenso die Kunst. Die Kunst kann sogar - auf einer Metaebene - diese ihre eigenen Wurzeln und die sich daraus ergebenden Konsequenzen thematisieren. Udo Achterholt ist ein Künstler, der sich genau damit befasst, unter verschiedenen Gesichtspunkten. Zunächst findet man in seinen Arbeiten den Aspekt der Sedimentation als Visualisierung der ursprünglichen Bedeutung. Mehrere Lagen bemalten Packpapiers sind auf Büttenkarton aufgeklebt, geologischen Schichten vergleichbar. Auch das Moment der Erosion ist präsent, denn mit Ölkreiden hat Achterholt die Oberflächen aufgerieben. Nicht zufällig auch arbeitet der Künstler mit einem Farbspektrum, das die Anmutung von Erde und Gestein hervorruft: die Töne von Ziegeln, von gebrannter Siena und dem aufgehellten Umbra von Mutterboden sind an die Ränder des Blattes gesetzt, gehen dann über zum Graublau des Schiefers, das im Zentrum zur Farbe der Kreidefelsen von Rügen oder Dover aufgehellt wird. Hier ist das Kolorit auch nicht mehr allein Äquivalent, nicht Simulation eines Materials, vielmehr verdankt sich die mineralische Anmutung der Verwendung des Gesteins - der Kreide nämlich - selbst. Es ist wohl kein Zufall, dass sich die Farben von innen nach außen dem Alter geologischer Formationen entsprechend staffeln: der Kreidezeit folgt gleichsam der Schiefer des Alt- und die Braunkohle des Jungtertiärs - drei Gesteine übrigens, die gleichzeitig drei verschiedene Aspekte unserer Kultur symbolisieren, je nach ihrer Nutzung. Die Braunkohle würde hierbei die Wärmeenergie bezeichnen, der Schiefer die Architektur, die Kreide das Schreiben und Zeichnen: die Reiche also der physischen Notwendigkeit, der Verbindung von Nutzen und Schönheit sowie der Zeichen, mithin des Geistes und der Kunst. In Achterholts Anordnung bildet Letzteres nicht den "Überbau", sondern im Gegenteil den Nukleus, um den die anderen Bereiche sich anlagern. Überfasst ist dieser "geologische Schnitt" von geo-metrischen Formen, deren Konturen zum Teil aus den Rändern der geschichteten Papiere, zum Teil aus in Pastellkreide gezogenen Linien gebildet werden. Den archaischsten und vom Menschen immer noch unkontrollierbarsten Vorgängen in der Natur kontrastiert Achterholt die naturfernste Hervorbringung menschlichen Geistes. Dabei führt er jedoch die Geometrie nicht allein als die anschauliche Seite der abstrakten Mathematik vor, sondern auch als Grundlage der handfesten, höchst materialen und dem Nutzen verpflichteten Baukunst. In Verbindung mit der Bogenform am rechten oberen Bildrand erscheint die zentrale helle Form wie eine Toröffnung, umrahmt von massiven grauen Quadern. Hier schließt sich der Kreis, denn die Architektur führt Jahr Millionen altes Gestein mit der kreativen Potenz des Menschen zusammen, die, gemessen an ihrem Material, erst seit einem Augenblick existiert, aber Dauer anstrebt: eine Allianz von natürlicher und geistiger Sedimentation, die Achterholt wiederum in die Form des Bildes fasst, ohne jedoch zur platten Abbildlichkeit seine Zuflucht zu nehmen. In diesen Zusammenhang gehört auch eine weitere Verknüpfung, die der Künstler schafft: diejenige nämlich zwischen der Äonen umfassenden Erdgeschichte und dem überzeitlichen Charakter der Mathematik. Achterholt meißelt seine Werke nicht aus Marmor oder Granit, er benutzt Leinwände, Papier und Farben, auch deshalb, weil er sich der hybriden Aspekte seines Themas wohl bewusst ist; weil er nicht die Ewigkeit herausfordern, sondern das Menschenmögliche vor ihrem Hintergrund darstellen will. Seine Arbeit täuscht nicht vor, "Urgestein" zu sein, sondern will als Sediment verstanden werden, das sich in Geist und Sinnen des Betrachters langsam zu künftiger Verfestigung anlagert.

Text von Ernest W.Utheman

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